Haltbarkeit und Ästhetik
Keramische Pigmente sind das Herzstück der farbenfrohen Welt der Keramik. Sie verwandeln schlichte Tonobjekte in wahre Kunstwerke – doch nicht alle Pigmente werden gleich angewendet. Begleiten Sie uns auf eine Reise durch diese faszinierenden Methoden, um zu entdecken, wie sie die Keramikkunst über die Jahrhunderte geprägt haben – und bis heute prägen.
Unterglasur
Detailreiche Kunst unter schützender Schicht
Unterglasur ist eine der ältesten und vielseitigsten Techniken in der Keramikkunst. Hierbei werden die Pigmente direkt auf den ungebrannten oder halbgebrannten Ton aufgetragen, bevor eine transparente Glasur darüber gebrannt wird. Das Ergebnis? Die Farben liegen sicher unter einer schützenden Schicht, was sie besonders haltbar und abriebfest macht.
Anwendung und Ästhetik
Künstler schätzen die Unterglasur für ihre Fähigkeit, feine, detailreiche Designs zu ermöglichen. Da die Pigmente vor dem Glasieren aufgetragen werden, verlaufen sie nicht und behalten ihre präzisen Linien. Ein Paradebeispiel ist die chinesische Porzellanmalerei der Ming-Dynastie, bei der kunstvolle Landschaften und Drachen in leuchtendem Kobalt unter der Glasur erstrahlen.
Technische Aspekte
Unterglasur wird bei hohen Temperaturen gebrannt – oft über 1200°C. Das stellt besondere Anforderungen an die Pigmente: Sie müssen hitzebeständig sein und dürfen unter der Glasur nicht verblassen. Typische Unterglasur-Pigmente sind:
- Kobalt (Blau),
- Eisen (Rot/Braun),
- Mangan (Violett/Braun).
Aufglasur
Leuchtende Farben auf der Oberfläche
Im Gegensatz zur Unterglasur wird bei der Aufglasur das Pigment auf die bereits gebrannte Glasur aufgetragen und dann bei einer niedrigeren Temperatur (etwa 700–900°C) erneut gebrannt. Diese Technik ermöglicht eine breitere Palette an Farben und Effekten, da die Pigmente nicht den hohen Temperaturen des ersten Brandes ausgesetzt sind.
Anwendung und Ästhetik
Aufglasur ist bekannt für ihre leuchtenden, lebhaften Farben, die nicht durch die Glasur gedämpft werden. Besonders beliebt ist sie für dekorative Elemente wie Goldverzierungen oder Emaille-ähnliche Effekte, die europäische Porzellanmanufakturen wie Meissen oder Sèvres zu Weltruhm brachten. Allerdings sind diese Farben empfindlicher und können bei häufigem Gebrauch abgenutzt werden – sie sind eher für Kunstwerke als für Alltagsgeschirr geeignet.
Technische Aspekte
Da der dritte Brand bei niedrigeren Temperaturen stattfindet, können empfindlichere Pigmente wie Cadmium (Rot/Orange) oder Selen (Rot) verwendet werden, die bei höheren Temperaturen zerfallen würden. Diese Technik erfordert jedoch Präzision, da die Farben beim Brennen leicht verlaufen können.
Inglasur
Haltbarkeit trifft auf Farbenpracht
Inglasur ist eine Technik, bei der die Pigmente direkt in die Glasur eingebettet werden. Das Pigment wird mit der Glasur gemischt, auf den Ton aufgetragen und dann gebrannt. Diese Methode vereint die Vorteile von Unter- und Aufglasur: Die Farben sind haltbar und dennoch lebendig.
Anwendung und Ästhetik
Inglasur erzeugt eine glatte, gleichmäßige Oberfläche, bei der die Farben in die Glasur eingeschmolzen sind. Diese Technik ist besonders in der islamischen Keramikkunst zu finden, wo sie für haltbare, farbenfrohe Fliesen und Gefäße verwendet wurde. Die Farben sind zwar etwas gedämpfter als bei Aufglasur, aber dafür extrem widerstandsfähig.
Technische Aspekte
Die Pigmente müssen so ausgewählt werden, dass sie sich gut mit der Glasur verbinden und beim Brennen nicht ausbluten. Häufig verwendete Pigmente sind:
- Eisenoxide (Rot- und Brauntöne),
- Kupfer (Grün).
Die Herausforderung liegt darin, die richtige Balance zwischen Pigment und Glasur zu finden, um ein gleichmäßiges Farbergebnis zu erzielen.
Ein Vergleich
Welche Technik für welchen Zweck?
Jede dieser Techniken hat ihre Stärken und Schwächen, die sie für unterschiedliche Anwendungen prädestinieren:
- Unterglasur eignet sich hervorragend für detailreiche, haltbare Designs, wie sie etwa auf Geschirr oder Fliesen gewünscht sind.
- Aufglasur ist ideal für luxuriöse, dekorative Stücke, bei denen leuchtende Farben und besondere Effekte im Vordergrund stehen – allerdings auf Kosten der Haltbarkeit.
- Inglasur bietet eine gute Mischung aus Haltbarkeit und Farbvielfalt, besonders für Objekte, die sowohl ästhetisch ansprechend als auch funktional sein sollen.
Die Kunst der Wahl
Die Wahl der richtigen Technik – Inglasur, Aufglasur oder Unterglasur – ist eine Kunst für sich. Sie hängt von den gewünschten ästhetischen Effekten, der Funktionalität des Objekts und den technischen Möglichkeiten ab. Von den filigranen Drachen der Ming-Dynastie bis zu den goldenen Verzierungen europäischer Porzellanmanufakturen haben diese Techniken die Keramikkunst über Jahrhunderte bereichert. Und auch heute experimentieren Künstler weiterhin mit diesen Methoden, um neue, faszinierende Werke zu schaffen. Wer weiß, welche Innovationen die Zukunft noch bereithält?

